Friday 24. May 2019

Mindanao Migrants Center For Empowering Actions, Inc. (MMCEAI)

Auf der Suche nach einem guten Leben

Elena will Zukunft für die Enkelinnen

Elena M. Manulat ist heute 46. Als die Filipina 20 war, ging sie ins Ausland. Ihre erste Tochter ließ sie damals zurück. Doch von den 350,- US-Dollar pro Monat, die ihr ein Manager für die 14-stündige Nachtarbeit in einem japanischen Unterhaltungsclub versprochen hatte, bekam sie nur 50,-. Den Rest behielt sich der Manager in Manila ein.

 

Wer weggeht, gilt als Heldin oder Held

Elena ist kein Einzelfall. Arbeitskraft ist das wichtigste „Exportgut" der Philippinen. Die Regierung fördert den Schritt ins Ausland enorm. Mittlerweile machen die Geldüberweisungen der Menschen aus dem Ausland geschätzte 12 % des BIP aus. Diese hohen Geldrückflüsse mindern den Druck auf die Regierung, die Armut im Land nachhaltig zu bekämpfen. MigrantInnen werden offiziell als „HeldInnen" gefeiert. Die Erwartungen an sie sind dementsprechend hoch.

 

Der Preis der Migration

Ihre Realität sieht jedoch meist anders aus: harte Arbeit, geringer Lohn, wenig Freizeit, einmal im Monat Telefonkontakt zur Familie zuhause, Heimaturlaub nur alle zwei bis drei Jahre nach Ablauf eines Arbeitsvertrags. Zuwendung können sie ihren Familien meist nur in materieller Form zeigen. Heimweh ist ihr ständiger Begleiter. – Sie bezahlen die Hoffnung auf ein besseres Leben mit einem hohen Preis.

 

Den war Elena nicht bereit zu bezahlen. Nach wenigen Monaten kündigte sie und kehrte zurück zu ihrer Familie nach Davao City. Doch die Familie war enttäuscht, da Elena mit leeren Händen ankam. Ohne Ersparnisse, ohne Mitbringsel. Verständnis brauchte sie von ihnen nicht zu erwarten. Darum engagiert sich Elena bei den Mindanao Migrants, einer Partnerorganisation der kfb. Ihr ist wichtig, Verständnis für die im Ausland arbeitenden Angehörigen zu wecken.

 

Einen Sinn für die Realität entwickeln

In ihrem Viertel ist Elena Ansprechperson der Mindanao Migrants für Angehörige von ArbeitsmigrantInnen. Sie klärt auf über die Beschäftigungsverhältnisse in den Gastarbeiterländern, über die rechtlichen Voraussetzungen, über die Höhe der Löhne. Mindanao Migrants tritt dafür ein, dass die ArbeitsmigrantInnen ihren Angehörigen, insbesondere aber ihren Kindern gegenüber ehrlich sind. So entstehen weder übersteigerte Erwartungen noch Schuldgefühle.

 

Mindanao Migrants knüpfen ein Netzwerk

Elena ist auch das Bindeglied zwischen ihrer Community und den Mindanao Migrants. Sie schaltet die Sozialarbeiterinnen der Organisation ein, wenn sie familiäre Probleme aufspürt. Mindanao Migrants setzt vor allem Angebote für Kinder und Jugendliche. Denn insbesondere Kinder sind die Leidtragenden der Arbeitsmigration ihrer Mutter oder ihres Vaters. Häufig leiden sie unter Schuldgefühlen oder Hass gegenüber ihren Eltern. Die Mindanao Migrants geben ihnen Raum, ihre Gefühle zu artikulieren, und schenken ihnen Gehör. In Fällen von familiärer und sexueller Gewalt gibt es auch rechtliche und therapeutische Hilfe. So entsteht eine starke Gemeinschaft, in der die zuhause gebliebenen Familien Rückhalt bekommen und ihre Ziele verwirklichen können.

 

Auf sie – die im Schatten der „Heldinnen" und „Helden" der Arbeitsmigration stehen – lenken die Mindanao Migrants den Blick. Sie beziehen PolitikerInnen und MedienvertreterInnen in ihre Arbeit ein. Und verschaffen so jenen Gehör, die im allgemeinen Getöne über die Vorzüge der Arbeitsmigration unterzugehen drohen.

Downloads zu unserer Partnerorganisation Mindanao Migrants

Downloads zu unserer Partnerorganisation Mindanao Migrnats
 

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Elena freut sich über das Plakat der Aktion Familienfasttag 2013, auf dem sie bei der Arbeit zu sehen ist.

© kfbö/Katharina Wegan

  Die kfb-Partnerorganisation Mindanao Migrants bietet Workshops für Kinder und Jugendliche von ArbeitsmigrantInnen an. Hier können die Kinder erzählen, was sie fühlen, und lernen andere Kinder mit ähnlichem Schicksal kennen.
© kfbö/Katharina Wegan
  Anna Loren C. Tabudlong, 11 Jahre, nahm im Oktober 2012 an einem der Workshops für Kinder und Jugendliche der Mindanao Migrants teil. Ihr Vater arbeitet im Ausland und hat sich von ihrer Mutter getrennt. Seither muss ihre Mutter den Lebensunterhalt der fünf-köpfigen Familie allein bestreiten.
© kfbö/Katharina Wegan
  Abschluss-Zeremonie des „self journey“-Workshops für Kinder und Jugendliche von ArbeitsmigrantInnen.
© kfbö/Katharina Wegan
  Plakat zum „self journey“-Workshop der Mindanao Migrants für Kinder von ArbeitsmigrantInnen im Oktober 2012
© kfbö/Katharina Wegan
   Mindanao Migrants stellte im Oktober 2012 Bilder aus, die Kinder von ArbeitsmigrantInnen in einem Workshop gemalt haben. Im Malen haben sich die Kinder mit ihrer Situation und ihren Gefühlen zur Arbeitsmigration ihrer Mutter bzw. ihres Vaters beschäftigt.
© kfbö/Katharina Wegan
  Unter dem Titel „Missing Puzzle“ zeigt Begie M. Himonda das Bild seiner Familie. Der Vater ist im Ausland und fehlt. Seine Arbeits- und Lebenswelt ist dem Kind unbekannt – darum die grauen Wände.
© kfbö/Katharina Wegan
  Dieser Raum ist Arbeitsraum, Küche, Wohnzimmer und Schlafzimmer in einem. Elena M. Manulat produziert hier Erdnussbutter, die sie in ihrem Viertel verkauft.
© MMCEAI
Katholische Frauenbewegung Österreichs Katholische Frauenbewegung Österreichs, Referat für Entwicklungspolitik - Aktion Familienfasttag
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