Wednesday 18. September 2019

Fleißige Hände, Leiden ohne Ende

Eine Publikation der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs über „die systematische Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft in Indien“

 

[Wien, 11.12.2013, HP] „Die systematische Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft in Indien“  ist Thema einer Publikation, die die Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs in Zusammenarbeit mit der Frauensolidarität, Verein zur Förderung von Frauenrechten international, und der Produktionsgewerkschaft (PROGE) jetzt vorgelegt hat. Unter dem Titel „Fleißige Hände, Leiden ohne Ende“ befasst sich das 40-seitige Heft in einem großen Bogen mit der Ungleichverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit entlang der Kategorie „Geschlecht“, die in Weltgegenden wie Indien in extrem krasser Art in Erscheinung tritt.

Aktueller denn je: Arbeit fair-teilen

„Viel Arbeit, kein Auskommen“ titelt Milena Müller-Schöffmann, entwicklungspolitische Referentin bei der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, in der Einleitung und zeichnet die Stationen der Geschichte der kfb im Umgang mit dem Thema Arbeit nach: „Arbeit fair-teilen“ diskutierte die kfb schwerpunktmäßig bereits 1998, „vierzehn Jahre später ist die Forderung nach fairen Arbeitsbedingungen im globalen Kontext, speziell in der Bekleidungsindustrie, aktueller denn je“. Seit 2010 engagiert sich die kfb besonders stark in Südindien.

 

"Sumangali" und "Vaan Muhil"

Auf die konkreten Verhältnisse in der dortigen Baumwollindustrie, lenkt ein Großteil der Beiträge der nunmehr präsentierten Publikation den Blick der Leser/innen. Eva Dürr, entwicklungspolitische Referentin bei der Aktion Familienfasttag und Redakteurin des Heftes, beschreibt in ihrem Beitrag „Maid in India“ einen „Baustein im System globaler Ausbeutung“: das „Sumangali Scheme“ – die sklavenähnliche Behandlung junger Frauen in Südindien, die mit dem falschen Versprechen, sich eine Aussteuer erwirtschaften zu können, in  ausbeuterische Arbeitsverhältnisse in der Baumwollindustrie gelockt werden. Und sie berichtet über „Vaan Muhil“, die Partnerorganisation der Katholischen Frauenbewegung in Südindien, die dem Sumangali Scheme und seinen Verfechtern den Kampf angesagt hat. Dazu liefert Eva Dürr u.a. die Zusammenfassung einer Studie von Vaan Muhil als auch konkrete „Fallbeispiele“ – Erfahrungen von Frauen, die dem Sumangali Scheme zum Opfer gefallen sind und Widerstand geleistet haben.

 

Gemeinsam mit Eva Wallensteiner, Mitarbeiterin am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien sowie Projektreferentin für Nord- und Nordostindien, liefert  Eva Dürr außerdem die Übersetzung von Interviews zum Thema sowie zur generellen Lage von Frauen in Indien und möglichen Verbesserungen. Interviewpartnerinnen sind Maria Sathya Rajan, seit 2012 Anwältin am Gerichtshof von Madras, zuvor zehn Jahre lang Projektleiterin für das Programm gegen Zwangsarbeit der ILO (International Labour Organization), und V. Jayalakshmi, Mitarbeiterin von HILLS (Human Integrated Life and Learning) in Sathyamangalam.

 

kfb-Projekte: Geschichte und Entwicklung

Eingeleitet wird der Schwerpunkt Südindien mit einem Beitrag von Eva Kadenksy, Projektreferentin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs für Südindien und Nepal und zuständig für die Anwaltschaft von Frauenrechten - insbesondere Arbeitsrechten -, über die Entwicklung der Kooperationen, die die kfb im Lauf der vergangenen Jahre mit lokalen NGOs in Indien eingegangen ist.

 

Sind Frauen Globalisierungs-Gewinnerinnen?

Den „Mantel“ des Heftes bildet eine generelle Befassung mit der Position von „Frauen in globalen Arbeitswelten“ – so der Titel des Grundsatzartikels am Beginn des Heftes, den Gundi Dick geschrieben hat, Politologin und Genderforscherin, langjährige Akteurin in entwicklungs- und frauenpolitischen Zusammenhängen, zuletzt tätig am Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien. „Sind Frauen Globalisierungsgewinnerinnen?“, fragt Dick, um dann auf die „Feminisierung der Erwerbstätigkeit“, auf den Stellenwert „informeller Arbeit“, und den „Arbeitsplatz Haushalt“ , den „Gender Pay Gap“ und die Auswirkung der „multiplen Krisen“ der vergangenen Jahre zu kommen.

 

Frauen angesichts multipler Krisen in Indien

Wie deren geschlechtsspezifischen Aspekte in Indien aussehen, greift dann Julia Günther auf, Mitglied von WIDE (entwicklungspolitisches Netzwerk für Frauenrechte und feministische Perspektiven). Sie zitiert dazu aus der Publikation „Krise trifft Frau. Geschlechtsspezifische Aspekte der multiplen Krisen in Indien“, die sie im Auftrag von WIDE gemeinsam mit Brita Neuhold verfasst hat. Eva Wallensteiner ergänzt mit einem Beitrag, der unter dem Titel „Von unerwünschten Frauen“  versucht, „weibliche Lebensrealitäten (in Indien) zu verstehen“  - mit einem Blick auf Mythen und Traditionen, die das Verhältnis von Männern und Frauen prägen und im ländlichen Umfeld nach wie vor bestimmend sind.

 

Ausblick: "decent work"

Perspektiven am Ende des Heftes liefert wiederum Gundi Dick mit einem Beitrag über „Decent Work in der informellen Wirtschaft“, über Voraussetzungen für und Umsetzungsmöglichkeiten von „menschenwürdiger Arbeit als produktiver Arbeit von Frauen und Männern unter Bedingungen, die Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit und menschliche Würde wahren“  - so die Definition von „decent work“ , wie sie 1999 von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) als Konzept und Agenda eingeführt und gefordert wurde.  Was können Verhaltenskodizes Frauen in der informellen Wirtschaft helfen? Inwiefern sind sie nützliche Instrument oder nur PR-Gag? Welche Alternativen gibt es? Gundi Dick gibt Antworten, die Stichworte lauten „Solidarökonomie“, „Bündnispolitik“, „Datenerfassung und –verarbeitung“, „Verantwortung von Regierungen und Unternehmen“, „Existenzsicherung und Neubewertung gesellschaftlicher Arbeit“.

 

Ein praktischer Hinweis beschließt die Reihe der Heftbeiträge –  Sabine Leder und Sonja Zettinig beschreiben in einem Interview, wie „unser aller Entscheidungsfreiräume“ im Blick auf indische Frauen aussehen, wie „faire Geschäfte“ unseren unmittelbaren positiven Einfluss als Konsument/inn/en zu stärken vermögen.  Leder und Zettinig sind Ethnologinnen, ihre jahrelange Tätigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit ist Grundlage ihres Geschäfts-Projektes „Talking Textiles“ in Wien.

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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