Monday 17. June 2019

Rassismus ist keine politische Option für Menschen mit christlichem Selbstverständnis

Theologin Regina Polak appelliert in Gespräch mit der Katholischen Frauenbewegung Österreichs an Kirchenleitung, Verbreitung und Anwendung einer politischen Praxis im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils zu fördern

[Wien, 9.11.2016, PA] An die Notwendigkeit einer an Menschenwürde, Gerechtigkeit und Gemeinwohl ausgerichteten „politischen Praxis“ von Christinnen und Christen erinnert die Theologin Regina Polak, assoziierte Professorin an der Katholisch-Theologischen Fakultät Wien, im Gespräch mit der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. „Jemand, der oder die sich Christ oder Christin nennt, kann zu bestimmten politischen Schlussfolgerungen nicht kommen“, so Polak im Rückgriff auf die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“, die sowohl aus bibeltheologischer als auch aus der Tradition der kirchlichen Soziallehre heraus eine an Menschenwürde und Gerechtigkeit ausgerichtete politische Praxis als Teil des Glaubens fordere. Auch wenn die Pastoralkonstitution weder Handlungsanweisungen noch parteipolitische Empfehlungen liefere, gebe sie doch klare „no gos links und rechts in buchstäblichem Sinne“ zu erkennen: „Wenn ich an die gegenwärtige politische Diskussion denke, fällt mir dazu Rassismus ein“, so Polak: „Rassismus ist keine politische Option für jemand, der von sich selbst sagt, er ist Christ oder Christin“. Aufgabe von Kirchenleitung, in der Pastoral und der kirchlichen Bildungsarbeit Tätigen sei es, Verständnis und Ausübung einer politischen Praxis im Sinne von Menschenwürde, Gerechtigkeit und Gemeinwohl voranzutreiben, erklärt Polak.

„Rassismus ist ein politisches Ordnungssystem, das darauf beruht, dass es ausgeschlossene Gruppen, sogenannte Sündenböcke gibt“, so Polak. Der Rassismus als Einstellungsmuster und als politisches Ordnungsmuster stecke nach wie vor im kollektiven Gedächtnis Europas wie Österreichs, und „fahrlässige Politiker und Politikerinnen können offensichtlich jederzeit darauf zurückgreifen“.  In vielen autoritären Einstellungen wie etwa im Fremdenhass, der sich auch unter Gläubigen der christlichen Kirchen finden lasse, spiegele sich Geschichte wider, „und zwar die politische Geschichte der Kirchen, die jahrhundertelang aufseiten der jeweiligen Macht waren“.

Im Zuge der Präsidentschaftswahlvorbereitungen hätten sich vor diesem Hintergrund „massive Gräben“ aufgetan hinsichtlich der Schlussfolgerungen, die aus dem Glauben für das politische Handeln zu ziehen seien. Ein „Kulturchristentum“ sei sichtbar geworden, das mit den theologischen Grundvorstellungen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht vereinbar sei. Auftrag der Kirchenleitung, der Pastoral und kirchlichen Bildungsarbeit sei es, „den Glauben von dieser engen Verquickung mit Autoritarismus“ zu befreien. Seit den 70er-Jahren sei zwar schon einiges passiert, „aber offensichtlich geht das nicht so rasch“, so Polak.

Wo sich Politiker oder Politikerinnen explizit auf Gott beriefen, seien sie letztlich an ihren Taten zu messen, so die Theologin weiter, „daran, ob Gerechtigkeit in der Gesellschaft, insbesondere gegenüber den marginalisierten Gruppen, größer wird“. Aufschluss über die Wirksamkeit von Gerechtigkeit gebe die Lebensqualität jener Menschen, die am Rand stehen. Dazu gehörten „auch Asylwerber und –werberinnen, Migrantinnen und Migranten, Menschen in prekären Lebenssituationen.“ Prinzipiell, so die Theologin,  sei sie aber „skeptisch, wenn Politikerinnen oder Politiker sich auf Gott berufen, egal, ob sie nun von links oder rechts sind“.

Christinnen und Christen, die ihren Glauben mit einer politischen Praxis verbinden, wie sie biblisch begründet das Zweite Vatikanum skizziert, tun das innerhalb eines großen Spektrums, so Polak: „Ganz konkret denke ich an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die sich momentan innerhalb der Kirche und außerhalb der Kirche, in der Zivilgesellschaft, für Flüchtlinge einsetzen, da unglaublich viele Ressourcen investiert haben und investieren – materielle, geistige, soziale, Zeitressourcen.“ Dieses Engagement werde allerdings „durch die Abschiebepolitik der Regierung auf perfide Art und Weise eigentlich zerstört“.

Glaube ohne politische Praxis im Sinne von Menschenwürde und Gerechtigkeit ist nach Ansicht der Theologin letztlich „Götzendienst“: „Der Glaube an Gott ist bereits in der Heiligen Schrift ein immer mit einer ganz konkreten Ethik verbundener.“ Die Kirche als grundsätzlich nicht politische Gemeinschaft handle etwa dann politisch, wenn sie sich um Ausgegrenzte in der Gesellschaft müht. Allerdings sei sie in der Wortwahl zurückhaltend, spreche lieber von „Anwaltschaft“ denn von politischem Engagement: „Die Kirchenleitung spricht in der Regel nicht so gern von Politik, es gibt da eine Scheu eben aufgrund der langen Geschichte der Verquickung von Politik, Macht und Kirche“.

Mit dem Interview mit Regina Polak hat die Katholische Frauenbewegung  Österreichs eine Gesprächsreihe eröffnet, die unter dem Titel „angefragt“ in loser Folge zu wesentlichen Themen der Zeit fortgesetzt wird. Das Gespräch mit Regina Polak zum Thema des „Verhältnisses von Politik und Kirche“ ist auch auf dem youtube-Kanal der Katholischen Frauenbewegung. Klicke hier

 

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

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