Sonntag 19. November 2017

Welternährungs- und Weltlandfrauentag: Ernährung sichern heißt Landrechte für bäuerliche Betriebe sichern

 

[Wien, 13.10.2017, PA] Die maßgebliche Rolle bäuerlicher Familienbetriebe bei der Sicherung der Ernährung weltweit rufen ARGE Bäuerinnen und Katholische Frauenbewegung Österreichs anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober und des Weltlandfrauentages am 15. Oktober in Erinnerung. Weltweit sind 95 Prozent der landwirtschaftlichen Unternehmen Familienbetriebe,  Landfrauen und Bäuerinnen bilden das Rückgrat der rund 500 Millionen Farmen und Bauernhöfe.

„Der bäuerliche Familienbetrieb ist geprägt von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung, er sorgt für Vielfalt, liefert Lebensmittel in bester Qualität und arbeitet mit Natur und Umwelt im Einklang“, so Andrea Schwarzmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer Österreich und Veronika Pernsteiner, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs: „Voraussetzung dafür sind fruchtbare Böden im Besitz der Bauernfamilien.  Steigender Flächenverbrauch und die Ausbreitung agrarindustrieller Betriebe gefährden bäuerliche Betriebe weltweit und damit die Ernährungssicherheit“.

 

„Österreichs bäuerliche Familienbetriebe haben eine Vorbildwirkung in Sachen umweltgerechtes Wirtschaften und Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit“, so Schwarzmann und Pernsteiner angesichts der Herausforderungen, die sich aus einer wachsenden Weltbevölkerung, steigendem Lebensmittelbedarf und einem zunehmend profitorientierten, spekulativen Umgang mit landwirtschaftlicher Fläche ergeben. Auch hierzulande würden bereits die Auswirkungen von Landkonzentration spürbar, einer Entwicklung, die der steigende Wert von fruchtbarem Boden weltweit nach sich zieht.

 

Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben sich die Preise für landwirtschaftliche Flächen in Österreich nahezu verdoppelt, in Ostdeutschland verdreifacht.  Bäuerliche Betriebe in Europa, insbesondere in Ländern des ehemaligen Ostblocks, geraten unter Druck, weil sie im Bieterwettbewerb mit mächtigen ausländischen Investoren und Konzernen nicht Schritt halten könnten. Familien geführte  Betriebe in Rumänien, Bulgarien, Litauen oder Ungarn werden an den Rand gedrängt oder verlieren gar ihre Existenzgrundlage, die Böden werden durch Monokulturen, Dünger- und Pestizideinsatz ausgebeutet. 40 Prozent des Ackerlandes in Rumänien befinden sich laut einer vom Europaparlament beim niederländischen Institute for Social Studies (ISS) gemeinsam mit der Menschenrechtsorganisation FIAN in Auftrag gegebenen Studie im Eigentum ausländischer Investoren, 3 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Europa besitzen 50 Prozent des Ackerlandes. „Auch in Österreich gilt es wachsam zu sein, die breite Streuung von Bodeneigentum im Auge zu behalten und politisch dafür zu sorgen, dass marktbeherrschende Positionen verhindert werden,“ so Schwarzmann und Pernsteiner.

 

Wichtig sei es überdies, auf Landes- und EU-Ebene eine Agrar- und Subventionspolitik zu betreiben, die nicht in die Hände großer Landbesitzer spiele, so Schwarzmann und Pernsteiner weiter: „Was es braucht, ist ein Eingriffsrecht der EU-Mitgliedstaaten in den Bodenmarkt, um etwa Beschränkungen beim Landerwerb zu erlassen. Außerdem braucht es die Verankerung von Vorkaufsrechten örtlicher Landwirte und Landwirtinnen.“ Und es gelte, Besitzerwechsel von Grund und Boden transparent zu machen. Häufig ist die Inbesitznahme von landwirtschaftlicher Fläche durch Konzerne mittels komplizierter Vertragskonstrukte  verschleiert.

 

In zahlreichen armen Ländern in Afrika, Asien, aber auch Lateinamerika, wo Land billig ist,  sind Landkonzentrationen seit Jahren im Gange, vielfach verbunden mit  der Übertretung lokal definierter Landrechte, mit Enteignung und Vertreibung. Hauptsächlich  die expandierenden Länder Ostasiens wie China, Südkorea oder Japan, die von Nahrungsmittelimporten abhängigen Golfstaaten sowie Investoren aus den Industriestaaten – staatliche, halbstaatliche als auch private, auch aus der EU – greifen zu auf landwirtschaftliche Fläche, die ihnen Profit oder die Ernährungssicherung der eigenen Bevölkerung garantieren soll: „Land Grabbing trifft vor allem Arme und im Besonderen Frauen, die in kleinbäuerlichen Betrieben die Hauptverantwortlichen für die Ernährungssicherheit der Familien  sind“, so Pernsteiner und Schwarzmann: „Wir fordern angesichts dieser Situation die Entwicklung und Durchsetzung verbindlicher globaler Regulatorien inklusive Entschädigungsmechanismen sowie eine entsprechende Zoll- und Handelspolitik. Europäische Staaten, insbesondere deren Entwicklungsbanken, sollen sich einer Beteiligung enthalten.“

 

„Land Grabbing ist Menschenrechtsverletzung“, so Pernsteiner und Schwarzmann im Rückgriff auf das im Völkerrecht bzw. in Artikel 11 des „Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte“ niederlegte „Recht auf angemessene Ernährung“. Dieses Recht auf Ernährung müsse einklagbar sein und unbedingt Vorrang haben vor Handelsrechten und Investitionsabkommen.

 

Schwarzmann und Pernsteiner fordern das vor dem Hintergrund internationaler Vernetzung bzw. globalen Engagements der Organisationen, die sie vertreten. Als Mitglied des Weltlandfrauenverbands (ACWW) unterstützt die ARGE Österreichischer Bäuerinnen seit Jahren die Arbeit der Aktion Familienfasttag (FFT) der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, die in Asien, Afrika und Lateinamerika mittels mehr als 100 Projektpartnerschaften Frauen in rechtlicher und materieller Hinsicht stärkt, viele davon in kleinbäuerlichen Kontexten.

 

Anlässlich des diesjährigen Weltlandfrauen- bzw. Welternährungstages rufen ARGE Bäuerinnen und Katholische Frauenbewegung Österreichs zu Spenden für eine FFT-Projektpartnerin in Guatemala auf, die „Union de Agricultores Minifundistas de Guatemala“ (UAM): „UAM gehört zu einem guatemaltekischen Netzwerk zum Schutz von Nahrungssicherheit und Ernährungssouveränität und stützt indigene Frauen aus kleinbäuerlichen Betrieben bei der Produktion und Vermarktung eines aus verschiedenen Getreiden und Erdnüssen erzeugten nahrhaften Getränks, das in Schulen an Kinder verteilt wird“, so Veronika Pernsteiner. In Guatemala sind knapp 50 Prozent aller Kinder chronisch unterernährt, das Land rangiert im Human Development Index von 2013 an vorletzter Stelle aller lateinamerikanischen und karibischen Staaten.

 

Spenden für UAM bitte auf das Konto der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs: IBAN AT83 2011 1800 8086 0000, Kennwort: UAM

Hinweis: Spenden an die Aktion Familienfasttag können steuerlich abgesetzt werden

 

 

 

Die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen wurde 1972 gegründet und vertritt als Österreichs größte Bäuerinnenorganisation die Interessen von rund 130.000 österreichischen Bäuerinnen. Die bundesweite Koordinierung der in allen Bundesländern vertretenen ARGE Bäuerinnen erfolgt in der Landwirtschaftskammer Österreich.

Der Weltlandfrauentag am 15. Oktober würdigt die wichtige Rolle der Landfrauen in der Gesellschaft, insbesondere bei der Ernährungssicherung und beim Umweltschutz. Im Weltlandfrauenverband sind derzeit rund 300 Mitgliedsorganisationen mit rund 9 Millionen Landfrauen aus 68 Ländern vertreten.

Der Welternährungstag am 16. Oktober wurde 1979 von der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) eingeführt, um auf die weltweite Ernährungssituation, vor allem in den Ländern des Südens, hinzuweisen.

 

Rückfragehinweis Katholische Frauenbewegung Österreichs:Mag.a Elisabeth Ohnemus, Pressereferentin, Spiegelgasse 3/2/7 1010 Wien, Tel: +43.(0)1.51552-3109
Mobil: +43.(0)664.3218936  elisabeth.ohnemus@kfb.at      www.kfb.at    www.teilen.at

Rückfragehinweis ARGE Österreichische Bäuerinnen:Ludmilla Herzog, MAS, Pressereferentin, Schauflergasse 6, 1015 Wien, Tel: +43 (01) 53441-8522 mobil:+43 (01) 83 441 8522 l.herzog@lk-oe.at www.baeuerinnen.at

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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