Am 25. Mai 2026, dem Pfingstmontag, hat Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika der Öffentlichkeit vorgestellt. Ihr Titel: „Magnifica Humanitas“, die großartige Menschheit. Ihr Thema: Was bedeutet es, im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz Mensch zu bleiben? Was geschieht mit Würde, mit Arbeit, mit Wissen, mit Macht?
Für uns als Teilen spendet Zukunft, das Solidaritäts-Werk der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, ist diese Frage keine abstrakte. Wir begegnen ihr täglich: in den Projekten, die wir begleiten, in den Menschen, für die wir eintreten, in den Ländern, in denen unsere Partnerorganisationen arbeiten.
Eine Stimme aus dem Globalen Süden
Bei der offiziellen Präsentation der Enzyklika in der vatikanischen Synodenaula war neben Kardinälen und KI-Forschenden auch die kongolesisch-US-amerikanische Theologin Léocadie Lushombo anwesend, Professorin für Theologische Ethik an der Jesuit School of Theology der Santa Clara University. Ihre Anwesenheit war ein Signal: Wer über Künstliche Intelligenz spricht, muss den Globalen Süden in die Mitte stellen.
Lushombo warnte bei der Vorstellung der Enzyklika vor den negativen Folgen, die Künstliche Intelligenz in ärmeren Weltregionen hat, nicht wegen der Digitaltechnologie an sich, sondern wegen des damit verbundenen Machtgefälles. In ihrer Stellungnahme wurde deutlich, was die Enzyklika meint, wenn sie von „digitaler Macht“ spricht: KI riskiert, zum neuesten Instrument kolonialer Ausbeutung zu werden, indem sie nicht nur Land oder Arbeit aneignet, sondern auch Daten, Vorstellungskraft und die Fähigkeit, Fragen zu stellen. „Wenn wir eine Maschine für uns denken lassen, verlieren wir Freiheit. Der Kolonialismus zeigt heute ein neues Gesicht: Er beherrscht nicht nur Körper, er eignet sich Daten an und verwandelt persönliche Leben in verwertbare Information. Der Globale Süden darf seine menschlichen Werte nicht an die KI verlieren.“
Und sie benannte das Unsichtbare: In manchen Regionen arbeiten Kinder in Minen, die jene Mineralien fördern, die die Computer der Welt am Laufen halten, ein unsichtbarer Preis, den die Enzyklika nicht zu übergehen bereit ist.
Léocadie Lushombo ist keine Stimme am Rand. Sie ist Theologin, Sozialethikerin, Stimme einer Kirche, die sich dem Globalen Süden verpflichtet weiß. Dass der Vatikan sie bei diesem historischen Anlass ans Mikrofon bat, ist bedeutsam. Und es bestätigt, was wir bei Teilen spendet Zukunft seit Jahren wissen: Gerechtigkeit muss vom Kontext der Schwächsten aus gedacht werden – nicht nachträglich ergänzt, sondern als Ausgangspunkt.
Was unsere Projekte mit dieser Enzyklika verbindet
Die Projekte, die wir fördern, arbeiten genau an jener Grenze, die „Magnifica Humanitas“ beschreibt: zwischen technologischem Wandel und menschlicher Würde, zwischen globaler Machtkonzentration und lokaler Selbstbestimmung.
- In Tansania unterstützen wir Frauen beim Aufbau wirtschaftlicher Eigenständigkeit, in einem Land, in dem KI-gestützte Finanzsysteme oft nicht für, sondern über die Köpfe der ärmsten Menschen hinweg entschieden haben.
- In Indien begleiten wir Partnerorganisationen, die Frauen aus ländlichen Regionen Bildung und Gesundheitsversorgung zugänglich machen, in einer Welt, in der algorithmische Systeme traditionell die Benachteiligten weiter benachteiligen, weil ihre Lebensrealitäten in Trainingsdaten schlicht fehlen.
- In Lateinamerika, in Kolumbien, El Salvador, Guatemala und Nicaragua, arbeiten wir mit Gemeinschaften, die aus struktureller Unsichtbarkeit heraustreten: Die Enzyklika spricht von den „Niedrigen“, die erhoben werden. Das ist kein frommes Bild. Das sind Menschen. Menschen mit Namen, Projekten und Zukunft.
- Auf den Philippinen und in Nepal schließlich begleiten wir Initiativen, die genau das tun, was Lushombo einfordert: den Eigenwert lokaler Gemeinschaften schützen, Bildung als Schutzraum gegen Abhängigkeit verstehen, Würde nicht verhandeln.
Solidarität braucht einen Kompass
„Magnifica Humanitas“ gibt uns einen theologischen Kompass, den wir teilen. Die Enzyklika erinnert daran, dass technologischer Fortschritt kein Selbstzweck ist und dass die Frage, wer von ihm profitiert und wer seinen Preis zahlt, immer auch eine Frage nach Gerechtigkeit ist.
Teilen spendet Zukunft steht für genau diese Antwort: Solidarität ist messbar. Sie zeigt sich in Projekten, in Partnerorganisationen, in konkreten Veränderungen im Leben konkreter Menschen. Kein Algorithmus ersetzt das. Aber ein Algorithmus, der so gebaut ist, dass er die Schwächsten weiter schwächt, ist ein Widerspruch zu allem, wofür wir stehen.
Wir gestalten. Mit Ihrer Unterstützung.
Mehr Information auf der Webseite der Katholischen Frauenbewegung