Tuesday 20. August 2019

Mehr Rechte für Opfer von Zwangsumsiedlungen in Indien

14.03.2008
Das North Eastern Social Research Centre (NESRC) in Assam kämpft mit Unterstützung der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs um eine gerechte Entschädigung für die durch Staudammbauten und industrielle Großprojekte vertriebenen 60 Millionen Menschen. Der Leiter von NESRC, P. Dr. Walter Fernandes SJ,  und seine Mitarbeiterin Gita Bharali informierten über ihr Arbeit bei einem Pressegespräch in Wien.
Rund 60 Millionen Menschen mussten in der Zeit von 1947 bis 2000 ihren angestammten Grund und Boden  in Indien verlassen, um Platz für wirtschaftliche Großprojekte und Staudammbauten zu machen. Nur rund ein Viertel von ihnen erhielt eine angemessene Entschädigung. Der Großteil der Betroffenen, die vor allem zu den indigenen Stammesvölkern und den kastenlosen Dalits zählen, geriet durch die Zwangsumsiedlung in noch größere Armut, da es oft Unklarheiten über die Eigentumsrechte und weder Land noch Arbeitsplätze als Wiedergutmachung gäbe. Dies berichtete der Leiter des North Eastern Social Research Centre (NESRC) in Assam, P. Dr.  Walter Fernandes SJ, bei einem Pressegespräch am 14. März 2008 in Wien.
Mit Mitteln aus der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und der Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar führt der Sozialwissenschaftler Studien über die Situation der Vertriebenen durch und weist deren oft  krasse Benachteiligung nach. Gemeinsam mit seinen MitarbeiterInnen betreibt der Jesuit eine intensive Informationsarbeit, um auf das Schicksal der oft völlig verarmten Menschen aufmerksam zu machen. Das Engagement von NESRC richte sich nicht gegen eine wirtschaftliche Entwicklung, sondern gegen Projekte, die zu Lasten der Menschen gehen., betonte Fernandes.
Im Aufdecken der Missstände bei den Zwangsumsiedlungen sowie in der Solidarisierung und Vernetzung der  ärmsten Bevölkerungsgruppen mit Forschungsprojekten, die Zugang zu den Medien und zu weltweiten Hilfsorganisationen haben, sieht der Jesuit einen Weg aus der hoffnungslosen Situation. Eine internationale, globale Anwaltschaft für die Opfer der Zwangsumsiedlungen in Indien sei erforderlich, um eine strenge Prüfung der Auswirkungen von Großprojekten und eine gerechte Wiedergutmachung in Indien zu bewirken, meinte der Sozialwissenschafter. Gemeinsam müsse man gegen die Ausbeutung von an den Rand gedrängten Menschen etwas unternehmen. So sei es wichtig, Informationen über die Beteiligung von europäischen Firmen an indischen Großprojekten auszutauschen.

Wirtschaftswachstum zu Lasten  der Armen
P. Dr. Walter Fernandes SJ kritisierte das wachsende Desinteresse der Mittelklasse an den Problemen der völlig verarmten Dalits und indigenen Bevölkerungsgruppen. Der  wirtschaftliche Aufschwung Indiens habe zwar eine rapide Steigerung der Mittelschicht von vormals 30 Millionen Menschen auf rund 250 Millionen gebracht, sei jedoch trotzdem an weiten Teilen der Bevölkerung insbesondere im Nordosten Indiens vorbeigegangen. Die indische Verfassung sieht zwar Fördermaßnahmen vor, die jedoch bis jetzt kaum etwas an der Armutssituation verändert hätten. Der indische Staat geht bei den staatlichen Großprojekten davon aus, dass jede investierte Rupie den eineinhalbfachen Gewinn bringen muss. Dass diese Rechnung ohne die betroffenen Menschen gemacht wird, beweisen P. Fernandes und sein Team in einer Vielzahl von Studienpublikationen. Das sehr engagierte WissenschaftlerInnenteam will die staatlichen Entscheidungsträger wachrütteln und sie davon überzeugen, dass diese Kosten-Nutzenrechnung nicht aufgeht. Anstatt am sensationellen Wirtschaftswachstum des Subkontinents teilzuhaben, wird ein Großteil der indischen Bevölkerung immer ärmer.

Frauen stärker betroffen
Gita Bharali, wissenschaftliche Mitarbeiterin im NESRC, konnte bei ihrer Forschungsarbeit feststellen, dass Frauen wesentlich härter als Männer von Zwangsübersiedlungen betroffen seien, da sie nicht als eigenständige Individuen anerkannt, sondern nur als Ehefrau oder Schwester eines Mannes  wahrgenommen würden. Die ausweglose Situation von alleinstehenden Frauen  führe dann häufig in die Prostitution.

P. Dr. Fernandes SJ dankte der Katholischen Frauenbewegung für die Finanzierung von Projekten in Assam, die Frauen Wege zur Selbsthilfe ermöglichen und Müttern Bildungs- und Gesundheitsprogramme anbieten.
Der Jesuit und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin  reisten von Wien über Deutschland in die USA, um bei einem sozialwissenschaftlichen Kongress in Memphis über ihre Studien zu berichten.

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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