Mittwoch 18. Oktober 2017

Unterschriftenkampagne gegen Lohnsklaverei: Ergebnis übertrifft alle Erwartungen

Mehr als 34.000 ÖsterreicherInnen unterzeichneten Petition der Aktion Familienfasttag für faire Arbeitsbedingungen in südindischer Textilindustrie

 

[Wien, 6.5.2014, PA] Die Botschaft ist angekommen: Kleidung hat ihren Preis, wenn Arbeiterinnen in der Textilproduktion im Süden faire Arbeitsbedingungen vorfinden können sollen. Mehr als 34.000 Österreicherinnen und Österreicher, fast sieben Mal mehr als erwartet,  sind der Aufforderung der Aktion Familienfasttag  gefolgt und haben eine Petition unterschrieben, die auf ein Verbot des „Sumangali-Schemes“  in Baumwollspinnereien im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu zielt. Gemeint sind damit Arbeitsverträge, die Mädchen und jungen Frauen versprechen, sich eine Mitgift und damit den Status einer „Sumangali“, einer  „glücklich verheirateten Frau“, erwirtschaften zu können. Tatsächlich geraten die Betroffenen in ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse. Rund 200.000 Frauen und Mädchen sind aktuell Opfer des „Sumangali-Schemes“, sie arbeiten,  ständig überwacht, 7 Tage die Woche in 12-Stunden-Schichten, werden gering bis gar nicht entlohnt, nur notdürftig medizinisch versorgt, sind Demütigungen und Gewalt ausgesetzt. Die Garne aus den Spinnereien, in denen sie schuften, sind der Rohstoff einer Vielzahl von Modelabels auf dem europäischen und internationalen Bekleidungsmarkt. Die in Österreich gesammelten Unterschriften gegen dieses Regime sollen nun vom Leiter der südindischen Menschenrechtsorganisation Vaan Muhil  und Projektpartner der Aktion Familienfasttag, Arockiasamy Britto, dem  Arbeitsminister  des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu übergeben werden. 

 

„Das Ergebnis der Kampagne ist überwältigend“, so Veronika Pernsteiner, stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö) und Verantwortliche für die Aktion Familienfasttag in der Geschäftsführung der kfbö. Mit der Aktion Familienfasttag engagiert sich die Frauenbewegung seit mehr als 50 Jahren für die Rechte von Frauen im Süden. Pernsteiner:  „Es ist gelungen, den Menschen zu vermitteln, daß ihre Kaufentscheidung unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeits- und Lebensbedingungen der Frauen hat, die die Ware produzieren, und daß es möglich ist, dagegen aktiv zu werden.“

 

Dank an Ehrenamtliche und KooperationspartnerInnen

Pernsteiner dankt vor allem den zahlreichen ehrenamtlichen Mitgliedern und UnterstützerInnen der Aktion Familienfasttag in der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, die die Kampagne in die Diözesen und Pfarrgemeinden getragen, aufgeklärt und mobilisiert haben, sowie den kooperierenden Einrichtungen ÖGB, Katholische ArbeiternehmerInnenbewegung, Frauensolidarität, weltumspannend arbeiten, Clean Clothes Kampagne, Dreikönigsaktion und Welthaus Graz und Linz.  Konkreter Widerstand und eine Änderung der Verhältnisse wachse aus dem kritischen Bewußtsein und dem Engagement vieler einzelner Menschen, so Pernsteiner.

 

Die Fäden reichen zurück

Auch Bischof Schwarz, zuständig für die Laienorganisationen in der österreichischen Bischofskonferenz, hat beim diesjährigen Fastensuppenessen der Aktion Familienfasttag im März die unmittelbare Verantwortung der KonsumentInnen im Norden der Welt eingemahnt: „Die Fäden mancher Kleidungsstücke, die heute von mir, von Ihnen getragen werden, reichen noch immer zurück in jene mit Arbeiterinnen vollgestopften, heißen und stickigen Hallen… Sie lassen sich nicht durchtrennen. Sie sind gewaschen, aber nicht sauber“. Parallel zur Unterschriftenaktion hatte die Katholische Frauenbewegung Österreichs eine Journalistinnenreise zu den Baumwollspinnereien in Tamil Nadu organisiert, die eine breite Berichterstattung in den österreichischen Medien zur Folge hatte. Barbara Haas, Vorsitzende der  Katholischen Frauenbewegung, ist mit dabei gewesen: „Auf dieser Reise habe ich erlebt, wie hoch der tatsächliche Preis für billige Textilien ist. Unter welchem Druck und Zwang die Mädchen in Indien arbeiten, ist für uns alle unvorstellbar, ihre Lebensgeschichten haben uns erschüttert.“

 

Keine Transparenz in der Bekleidungsindustrie

Wenig Bewußtsein hat unterdessen eine Umfrage österreichischen Bekleidungsunternehmen attestiert, die von der Clean Clothes Kampagne im Auftrag der Katholischen Frauenbewegung als einer ihrer Mitgliedsorganisationen durchgeführt wurde. CCK-Aktivistin Christine Esterbauer spricht von einem „ernüchternden“ Ergebnis. Die „grausame Form der Ausbeutung“ sei für heimische Textilfirmen in der eigenen Zulieferkette kein Thema: „Es gibt weder ein Bewußtsein über die negativen Aspekte der Bekleidungsproduktion, noch ein Interesse daran, solche Formen extremer Ausbeutung zu verhindern“. Die befragten Unternehmen würden sich – sofern sie überhaupt antworteten – auf Verhaltenskodices berufen, die für ihre Endproduktionsstätten gelten. Davor tätige Zulieferer seien laut Esterbauer jedoch nicht im Blick. Zu den befragten Firmen zählten Eisbär, Huber, Northland, Palmers, Schneiders, Sportalm, Tostmann, Trikot Jones, Triumph und Wolford. Zum gleichen Ergebnis kommt auch der soeben vorgelegte Report des India Commitee of the Netherlands, der den Weg der in Indien hergestellten Ware in die Welt untersucht und auch die Umfrage der Katholischen Frauenbewegung Österreich berücksichtigt. Fazit: die Bekleidungsindustrie arbeitet nicht transparent.

 

Unterschriften für den Arbeitsminister

Mit den mehr als 34.000  Unterschriften aus Österreich wird der Menschenrechtsaktivist und Projektpartner der Katholischen Frauenbewegung Österreichs, Arockiasamy Britto, nun beim Arbeitsminister des südindischen Bundesstaates Tamil Nadu vorstellig werden, um auf ein Ende des „Sumangali-Schemes“ zu drängen. Die Arbeit der Menschenrechtsorganisation „Vaan Muhil“, die von Arockiasamy Britto geleitet wird, ist unverzichtbar angesichts des nur schwachen Protests der Zivilgesellschaft und staatlicher Instanzen, denen die Interessen der Unternehmen näher sind als die Rechte der Arbeiterinnen. „Vaan Muhil“ betreibt Aufklärung in Dörfern und Familien in Armutsregionen, aus denen die Arbeiterinnen vorwiegend rekrutiert werden, organisiert Rechtshilfe für betroffene Frauen und betreibt Bildungsarbeit. Ein Projekt der Organisation ist eine Schneiderei für fair produzierte Kleidung, die kürzlich eröffnet wurde.

 

Hinweise:

Der vollständige Report des India Commitee of the Netherlands kann abgerufen werden unter http://www.indianet.nl/pb140404e.html

Eine Broschüre „Label-Check“ der Clean Clothes Campagne Österreich kann abgerufen werden unter www.cleanclothes.at

Ein eigens von der  Katholischen Frauenbewegung Österreichs erstelltes Themenheft über die systematische Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft in Indien (Titel: „Fleißige Hände. Leiden ohne Ende“) ist zu beziehen bei der Katholischen Frauenbewegung Österreichs: teilen@kfb.at

 

Diese Kampagne wurde unterstützt von:

 

              

 

       

 

 

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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