Friday 24. May 2019

Mit Mädchen handelt man nicht!

Manika Sarkar ist in Indien gegen Mädchenhandel aktiv

 

Mit Ausbildungsprogrammen für junge menschen engagiert sich Manika Sarkar für die nächsten Generationen.

Unsere Partnerinnen Manika Sarkar und Rikhia Basu in Indien setzen sich gegen Menschenhandel ein.

 

Ein Dorf im westbengalischen North-24-Parganas an der Grenze zu Bangladesch. Die Bewohner*innen haben sich versammelt. Alle Augen sind auf die Vortragende Manika Sarkar gerichtet, denn sie weiß, was sich gegen die größte lokale Herausforderung hier tun lässt: Die Region, bestehend aus vorwiegend muslimischen Gemeinden, gilt als Quellgebiet für die Rekrutierung von Kinderbräuten, weil es in Bundesstaaten wie Haryana wegen gezielter Tötung weiblicher Föten und Säuglinge kaum mehr junge Frauen gibt. „Auch deshalb sind hier in 500 Dörfern über 3.300 Mädchen und junge Frauen gefährdet, Opfer von Menschenhandel zu werden. Weitere Gründe sind Armut, mangelndes Wissen und wirtschaftliche Abhängigkeit. Nur mit Bildung und Selbstbestimmung schaffen wir eine gewaltfreie, gerechte und sichere Umwelt für die nächsten Generationen“, so Sarkar, Mutter von zwei Töchtern.

 

Erfolgsbilanz

Bevor sie 2006 die NGO NSS gründete, hatte sie herausgefunden, dass in zwei Panchayats in nur einem Jahr mehr als 50 Mädchen verschwunden waren. Seither habe sich zum Glück Vieles verbessert: „Dank unserer engen Kooperation mit Regierungsstellen und der Polizei konnten wir eine Kinder-und Frauenhelpline einrichten und allein 2015 über 450 Fälle von Mädchenhandel erfassen. Insgesamt wurden 2.000 Fälle dokumentiert, 35 Kinderehen verhindert sowie 150 Kinder und 100 junge Frauen mit ihren Familien wiedervereint.“ – Eine Leistung, denn für gewöhnlich werden Opfer als „unrein“ betrachtet. NSS-Rechtsberatungen und Konfliktlösungsprogramme helfen bei der Entstigmatisierung.

 

Derzeit ist NSS damit befasst, 200 Menschenhändler*innen vor Gericht zu bringen. „Doch solange Männer die Gesellschaft dominieren, Frauen keine ökonomische Selbstständigkeit erlangen und sich ihre Rechte nicht bewusst machen, wird sich nachhaltig nichts ändern“, so Sarkar. Immer wieder wiederholt sie diese Worte. Prävention und Sensibilisierung gehören zu Kernaufgaben von NSS. Um den Bildungsstand der Jugendlichen anzuheben, werden Schulabbrecher*innen beim Wiedereinstieg begleitet und in Informatik-und Führungstrainings sowie dem 2016 gebauten Schneidereizentrum ausgebildet. Zudem hat Sarkar neben zehn fixen Mitarbeiter*innen junge Freiwillige rekrutiert. Sie klären als Peergruppen-Sprecher*innen an Schulen und Colleges andere Kinder und Teenager auf.

 

Tricks durchschauen

 

Auch Sarkars Töchter Sumana (22) und Moumita (16) helfen mit, Wissen zu verbreiten, mit welchen Tricks Menschenhändler*innen Eltern zur Freigabe ihrer Kinder überreden. Diese würden „nicht im Filmgeschäft landen oder reich heiraten wie versprochen“, sondern als Putzfrauen, Prostituierte und Leihmütter ausgebeutet werden. Und meist, so wie jetzt, erzählt Manika Sarkar dann auch ihre eigene Geschichte, die sie in ihrem Dorf Sayestanagar erlebte:

 

„Mein Vater wurde von seinen Brüdern ermordet, als ich ein Baby war. Meine Mutter Amita kümmerte sich allein um uns vier Kinder. Wir lebten in Armut, von Landwirtschaft und Viehzucht. In der siebenten Klasse brachte mich mein älterer Bruder in den Mathematikunterricht zu einem Lehrer, der sein Freund war. Er kam aus Bangladesch, war 22 Jahre alt und hatte eine Affäre mit meiner Freundin. Trotzdem tat er so, als sei er mein Liebhaber und verbreitete Gerüchte über uns. Eines Tages standen seine Eltern und er mit einem Heiratsantrag vor mir. Sie beharrten so lange darauf, bis Mutter zustimmte. Sie hatte Angst, dass ich sonst nach Bangladesch gebracht werde. Mit 12 Jahren, es geschah nach Schulschluss und der Zeugnisverteilung, wurde ich mit ihm verheiratet.“

 

Mehr Unterstützung

Die Mädchen ringsum schlucken. Es ist ganz still, als Sarkar fortsetzt: „Mein Mann missbrauchte mich geistig, körperlich und emotional. Er verbot mir, die Schule zu besuchen und wurde noch brutaler, als ich hinter sein fortbestehendes Verhältnis mit meiner Freundin kam und zwei Töchter zur Welt brachte. Auch seine Mutter schlug mich grün und blau. Und meine eigene Mutter riet mir, die Folter zu ertragen, auch dann, als ich versuchte, Selbstmord zu begehen. Sie wollte meine Kinder und mich nicht bei sich aufnehmen, aus Angst, dann noch ärmer zu werden.“

 

Erst als sie 2003 eine Selbsthilfegruppe besucht habe, die Frauen durch Mikrokreditprogramme unterstützte, und Sumata allen von ihrem gewalttätigen Vater erzählte, habe sie die Kraft gehabt zu gehen, sagt Manika Sarkar. Ihr Mann sei daraufhin untergetaucht. Als er nach drei Jahren immer noch verschollen war, habe sie die Scheidung eingereicht und sich nach elf qualvollen Jahren endlich auf eigene Beine gestellt. „Ich setzte meine Ausbildung fort, kam mit Frauenrechts-NGOs in Kontakt und fing an, mich intensiv gegen Kinderhandel zu engagieren. Deshalb bin ich heute hier.“

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

Pressephotos der Vorsitzenden

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