Freitag 22. September 2017
kfb / Friederike Flesch

Diese Frau möchte ich kennenlernen

Wie NMBS, eine nepalesische Kriseninterventions- und Bildungsinitiative für Frauen, inspiriert und Empowerment vorantreibt

 

Heera Thapa wohnt in einem Slum. Während des nepalesischen BürgerInnenkriegs in den Jahren 1996 bis 2006 war die junge Frau aus einem Dorf am Land mit Mann und Kind nach Kathmandu geflüchtet, um drohenden Übergriffen zu entgehen. Die Armut hatte sie mitgenommen. Doch dann stieß sie im Slum auf einen Wassertank und NMBS: den einzigen Zugang zu sauberem Wasser im Elendsviertel der Landeshauptstadt hatte Nepal Mahila Bishwasi Sangh organisiert, Krisenzentrum und Ausbildungsstätte für Mädchen und Frauen, als NGO 1993 von einer Gruppe nepalesischer Frauen gegründet. „ Als ich eines Tages im Radio ein Interview mit der Generalsekretärin von NMBS, Draupati Rokaya, gehört habe, wusste ich: diese Frau möchte ich kennenlernen“, berichtet Heera Thapa.

 

Die junge Mutter, damals „schüchtern“ und ohne Lese- und Schreibkenntnisse auf das häusliche Umfeld beschränkt, fasste sich ein Herz und nahm den Kontakt mit Rokaya und NMBS auf: „Ich habe begonnen, mich zu bilden, habe einen Alphabetisierungskurs gemacht und dabei mein Selbstvertrauen gestärkt. In weiteren Kursen erfuhr ich viel über das Empowerment von Frauen und die Bedeutung von Bildung für unser tägliches Leben.“ Thapa lernte, für sich zu sprechen, aber auch für andere, „zum Beispiel über die Ungerechtigkeiten, die in den Gemeinden geschehen“. Heute, da ihre Tochter selbst ihren Schulabschluss macht, arbeitet Thapa als Sozialarbeiterin: „Ich kümmere mich um benachteiligte Frauen und Kinder, und ich habe eine kleine Kantine an der Hochschule eröffnet“. An der Hochschule, so hofft sie, wird es aber nicht beim Kochen bleiben: Thapa will sich weiterbilden und eines Tages selbst an der Hochschule studieren.

 

NMBS stößt mit seinem landesweiten Programm in eine gewaltige Problemlage: fast die Hälfte der in Nepal am Land lebenden Menschen existiert in absoluter Armut, die Landflucht verbessert selten die Lebenslage, treibt Frauen häufig in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, in Lebenszusammenhänge, die von Gewalt, auch sexualisierter Gewalt, geprägt sind. Rund 200 MitarbeiterInnen von NMBS, viele davon ehrenamtlich, setzen sich in ganz Nepal für die Besserstellung von Frauen in prekären Lebenslagen ein, bieten etwa Übergangswohnmöglichkeiten und unterstützen bei der Bewältigung von Problemen infolge Armut und Gewalt.

 

Zusätzlich betreiben sie Bewusstseins- und Bildungsarbeit auf niederschwelligem Niveau, um das selbstbestimmte Handeln von Frauen zu fördern. 40 Prozent der nepalesischen Frauen haben keinerlei Schulbildung. In einfachen Kursen bietet NMBS beispielsweise eine Kombination aus Alphabetisierung und der Vermittlung grundlegenden Wissens in Fragen von Gesundheit und Rechten. Business Trainings bereiten Frauen darauf vor, sich selbständig zu machen.

 

Heera Thapa hat in den letzten zehn Jahren nicht nur von diesen Programmen profitiert, sie geht noch einige Schritte weiter. Sie hat sehr konkrete Vorstellungen davon, wo sie mit einem Studium hin will: „Ich möchte künftig mit alleinstehenden und älteren Frauen arbeiten“. Dafür hat sie bereits einen kleinen Geldbetrag gespart. Gleichzeitig zeigt sie Beharrungsvermögen - sie ist dort geblieben, wo Sozialarbeit am meisten vonnöten ist: Heera Thapa wohnt noch heute im Slum.

Fotos und Projektbeschreibung

stehen hier zum Downloaden bereit.

 

Die Projektbeschreibung zum Ausdrucken finden Sie hier. 

 

Auf unserem youtube-Kanal finden Sie einen kurzen Film zu NMBS.

 

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  Frauen wie Anita Lama, Heera Thapa, Santoshi Bayalkoti (v.l.n.r.), die NMBS fördert und in ihrem Kriseninterventionszentrum betreut, erhalten therapeutische Unterstützung und Business Trainings, damit sie wieder Halt im Leben bekommen. © Lochana Sharma
Anita Lama erhielt durch die Organisation NMBS die Chance, einen Schulabschluss zu machen. Ihr Traum ist es, Lehrerin zu werden. © Lochana Sharma
  In einfachen Kursen bietet NMBS beispielsweise eine Kombination aus Alphabetisierung und der Vermittlung grundlegenden Wissens in Fragen von Gesundheit und Rechten an. Business Trainings bereiten Frauen darauf vor, sich selbständig zu machen. © Lochana Sharma
  Heera Thapa war als junge Mutter schüchtern und oihne Lese- und Schreibkenntnisse auf das häusliche Umfeld beschränkt. Über das Radio erfuhr sie von NMBS, fasste sich ein Herz und nahm Kontakt mit der Organisation auf. In einem Alphabetisierungskurs hat sie nicht nur lesen und schreiben gelernt, sondern auch ihr Selbstvertrauen gestärkt. © Lochana Sharma
  Heera Thapa hat eine kleine Kantine an einer Hochschule eröffnet. Sie hofft, dass es nicht beim Kochen bleiben wird: Heera will sich weiterbilden und eines Tages selbst ander Hochschule studieren. © Lochana Sharma
Heera Thapa arbeitet auch als Sozialarbeiterin in ihrem Viertel. Bei NMBS hat sie gelernt, wie sie politisch Rechte einfordern kann, und hat gemeinsam mit anderen Frauen durchgesetzt, dass die Gemeinde eine Gesundheitsstation in ihrem Viertel einrichtet und bezahlt. © kfb / Friederike Flesch
  Zahlreiche Frauen versprechen sich von einem Leben in der Stadt eine verbesserte Versorgungslage. Doch meistens landen sie in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und erleben (auch sexualisierte) Gewalt. Diese Erfahrungen traumatisieren die Frauen. NMBS setzt Angebote, damit die Frauen diese Traumata überwinden und wieder Halt im Leben finden können. © Lochana Sharma
  In einfachen Kursen bietet NMBS beispielsweise eine Kombination aus Alphabetisierung und der Vermittlung grundlegenden Wissens in Fragen von Gesundheit und Rechten. Business Trainings bereiten Frauen darauf vor, sich selbständig zu machen. © kfb / Friederike Flesch
„Als ich eines Tages im Radio ein Interview mit der Generalsekretärin von NMBS, Draupati Rokaya, gehört habe, wusste ich: diese Frau möchte ich kennenlernen“, berichtet Heera Thapa. © Peter Mödritscher

Vima Gharti konnte mit dem Einkommen aus ihrer Hühnerzucht zu ihrem Unterhalt während der Ausbildung in Kathmandu beitragen.

© NMBS

Über 200 Frauen haben sich im NMBS-Netzwerk zusammengeschlossen. Hier haben sich Frauen zur jährlichen Generalversammlung im Zentrum in Kathmandu versammelt.

© NMBS

Das NMBS-Netzwerk zieht sich über ganz Nepal. Über 200 NMBS-Frauen bieten den Frauen in ihren Gemeinden Trainings an: Sie bringen ihnen lesen und schreiben bei. Sie klären sie auf, wie sie sich vor Krankheiten und AIDS schützen können. Und sie zeigen ihnen Möglichkeiten auf, wie sie sich ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften können. Das Rüstzeug für diese Trainings holen sich die NMBS-Frauen in Kursen im Zentrum in Kathmandu.

© Peter Mödritscher

In Trainings lernen NMBS-Frauen pädagogische Methoden, um die Frauen in den Dörfern weiterzubilden.

© NMBS


Frauen lernen einfaches Handwerk, um z.B. Körbe herzustellen und zu verkaufen.

© NMBS

 

Steckbrief

Nepal Mahila Bishwasi Sangh (NMBS) mit Sitz in Kathmandu (Nepal), setzt sich seit 1993 für eine Besserstellung der Frauen ein und unterstützt sie in Notsituationen in einem eigenen Krisenzentrum. Im diesem Frauenzentrum bietet NMBS eine kombinierte Hilfe aus Soforthilfe für Frauen in Krisen und allgemeine Ausbildungs- und Bewusstseinskurse für Frauen an. Es leistet so einen wichtigen Beitrag zur Rehabilitierung von Frauen in schwierigen Lebenssituationen. Eine Stärke liegt in der landesweiten Vernetzung und im hohen Engagement der über 200 Mitglieder, die im ganzen Land verstreut leben.

 

Ziel: Frauen und deren Kinder so zu stärken, dass sie ein sicheres und friedvolles Leben führen können.

 

Arbeitsbereiche: Soforthilfe in Krisensituationen in Form von medizinischer, psychologischer und wenn nötig juridischer Betreuung, Alphabetisierungskurse, Bewusstseinstrainings und Fortbildungskurse für Frauen.

 

kfb-Partnerorganisation seit 2010.

Spenden Sie Zukunft

 

Mit 11 Euro können 20 Frauen ein Monat lang einen Basisbildungskurs besuchen.


Mit 90 Euro kann eine Frau einen Monat lang im Krisenzentrum betreut und begleitet werden.
 

Hier können Sie direkt online spenden!

 

DANKE!

 

 

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Katholische Frauenbewegung Österreichs Katholische Frauenbewegung Österreichs, Referat für Entwicklungspolitik - Aktion Familienfasttag
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