Donnerstag 24. Januar 2019

Aus dem Käfig des Analphabetismus ausgebrochen

Don Bosco-Stiftung: Für ökonomische und finanzielle Gerechtigkeit

 

 

Mehr als 70 Jahre alt musste Minangkal Usman-Abid werden, um Herrin über ihre Finanzen zu sein: seit sie lesen und rechnen kann, kann die Philippinin Preise und Kontodaten entziffern und beurteilen, eigenständig Entscheidungen über Konsum-Ausgaben treffen, ihr Haushaltsbudget selbstverantwortet gestalten und verwalten. „Endlich bin ich aus dem Käfig des Analphabetismus ausgebrochen“, so Minangkal, die im Rahmen des Projekts der „Don Bosco – Stiftung für nachhaltige Entwicklung“ lesen, schreiben und rechnen gelernt hat.

 

Auf Mindanao, der südlichsten Insel der Philippinen, sind es vor allem Mädchen, die keine Schule besuchen können. Der seit Jahrzehnten andauernde „Mindanao-Konflikt“ zwischen bewaffneten Rebellen und der Regierung macht längere Schulwege vor allem für Mädchen gefährlich. Investitionen in die Bildungsinfrastruktur der Unruhegebiete, etwa den Schulbau, tätigt die Regierung kaum oder nur zögerlich. „Es gab in meinem Dorf keine Schule“, so Minangkal, „die Regierungstruppen, aber auch Paramilitärs waren allgegenwärtig. Es gab allen Grund, Angst um uns Kinder und Jugendliche zu haben.“

 

Die Don Bosco-Stiftung arbeitet seit Ende der 1980er Jahre daran, in dieser angespannten Situation nachhaltige Lebensgrundlagen für BäuerInnen zu schaffen. Über die Jahre hat sie ihre Unterstützungsprogramme für rund 20 Dörfer immer wieder neuen Bedürfnissen angepasst, bietet heute Trainings zur ökologischer Landwirtschaft an, koordiniert den Aufbau von 200 diversifizierten, biologisch wirtschaftenden kleinbäuerlichen Farmen, unterstützt aber auch etwa die Produktion von natürlichen Heilmitteln oder treibt mittels Kursen die Alphabetisierung der Bevölkerung voran.

 

„Die Volksschule in meinem Dorf ist erst 2004 erbaut worden, denn davor hat die Regierung in das Bildungssystem unserer Region nicht investiert“, berichtet Minangkal, die gemeinsam mit ihrem Mann und ihren erwachsenen Kindern bei Don Bosco einen Alphabetisierungskurs besucht hat. Auch Mingankals Kinder hatten, als sie im entsprechenden Alter waren, keine Schule besuchen können.

 

„Ich habe mich mein Leben lang eingesperrt gefühlt“, so Minangkal, „ich bin nie aus meiner Gemeinde hinausgereist. Obwohl ich auf einer Insel wohne, habe ich nie das Meer gesehen – ich hatte immer Angst, weiter weg zu gehen. Ich hatte schon Angst, meine Einkäufe zu erledigen“.

 

Die Entwicklung ökonomischer und finanzieller Kompetenzen im Zuge der Alphabetisierung wird auch sichtbar in der Geschichte der 33-jährigen Norhana Abid-Ayob, die erst nach der Geburt ihrer sieben Kindern bei Don Bosco lesen, schreiben und rechnen gelernt hat. Obgleich mit einem Volksschullehrer verheiratet, ist sie mangels verfügbarer Zeit lange Analphabetin geblieben. Heute verwaltet sie das Haushaltsgeld, budgetiert, bezahlt Rechnungen – und hat sich mit einem kleinen Laden als Geschäftsfrau selbständig gemacht.

 

„Gleichberechtigung beginnt auf der Ebene des Haushalts“, so Maria Helenita Ruizo Gomela, Geschäftsführerin der Don Bosco-Stiftung: „Eine faire Verteilung von Ressourcen, Aufgaben und Verantwortung zwischen Männern und Frauen bereits in der Familie ist die Grundlage für ein faires Wirtschaften und Budgetieren auf allen Ebenen der Gesellschaft“. Im Rahmen der Don Bosco-Stiftung sind Frauen nicht nur an der „FAIRänderung“ der Wirtschaft beteiligt, indem sie als Kleinbäuerinnen biologischen, diversifizierten Landbau betreiben und sich so unabhängig machen von einer Konzern gesteuerten industriellen Landwirtschaft. Maria Gomela geht es auch darum, dass Frauen ein Bewusstsein und Gestaltungsmacht hinsichtlich Budgets und Finanzen entwickeln – ob nun im privaten Haushalt, im eigenen Geschäft oder auf der Ebene von Gemeinden, Regionen oder des Staates.

 

„Gender-Budgeting“ ist auf den Philippinen zwar seit 1996 ein gesetzlich niedergelegtes Prinzip, demnach 5 Prozent aller Ausgaben von staatlichen Einrichtungen der Förderung von Frauen und Entwicklung zugutekommen müssen. Allerdings wird die Einhaltung dieses Gesetzes kaum kontrolliert, und vielerorts fehlt es an Bewusstsein der Frauen an der Basis. Maria Gomela: „Solange die Frauen an der Basis nicht informiert sind, nicht wissen, was sie brauchen und was sie mit einem für sie reservierten Geld tun wollen, läuft diese Bestimmung ins Leere und wird das Geld anderweitig verbraucht.“ Don Bosco informiert und sensibilisiert, arbeitet mit seinem Programm an einem umfassenden Verständnis von fairer, geschlechtergerechter Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik.

Pressereferentin der kfbö

Mag.a Elisabeth Ohnemus

Tel: 0664-321 89 36

Email: elisabeth.ohnemus[a]kfb.at

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