Sonntag 19. November 2017

Lebensräume nachhaltig gestalten

 

Der Lebensraum prägt die Menschen durch seine Natur und Kultur. Und Menschen wiederum prägen und gestalten ihren Lebensraum, durch ihr Handeln und ihre Lebensweise. Es besteht also eine wechselseitige Beziehung zwischen Raum und Menschen. Dies wirkt auf den ersten Blick logisch und übersichtlich, wird aber etwas komplizierter, wenn man den Begriff der Nachhaltigkeit ins Spiel bringt. Denn dieses Konzept löst in seiner umfassendsten Interpretation den Lebensraum zuerst aus seiner lokalen Kleinräumigkeit heraus und hebt ihn dann zusammen mit unserer aller Lebensweise und –stile auf eine nationale und schließlich globale Ebene. Denn Nachhaltigkeit hat das Ganze im Blick, etwa den weltweiten Ressourcenverbrauch oder die globale Umweltverschmutzung.

 

Ein wichtiges Ziel ist und bleibt, aufmerksam zu betrachten, was Lebensraum ausmacht und vor allem auch was ihn gefährdet, was oder wer Menschen die Möglichkeiten nimmt, ihren Lebensraum zu gestalten. Das ist deshalb ein zentraler Punkt, weil davon ausgehend zwei weitere Schritte folgen.

 

1.) kann dann gemeinsam diskutiert werden, was verändert werden muss und was wir tun können, um ihn zu gestalten und für die jetzt Lebenden und die nachkommende Generationen in Gerechtigkeit (er-)lebbar zu machen. Es geht dabei um die Bewusstmachung der Gestaltungs- bzw. Einflussmöglichkeiten, die wir haben oder uns nehmen müssen. Denn wir sehen weder uns noch unsere Partner/innen als ohnmächtig, sondern setzen auf die Möglichkeiten und die Verpflichtung der Einflussnahme. Ein zentraler Punkt für uns als kfb liegt dabei gewiss auf dem individuellen aber auch den gesellschaftlichen Lebensstil, denn fernab der kulturellen und wirtschaftlichen Prägung (und den existierenden Macht- und Wirtschaftsstrukturen) haben wir darauf den ersten Einfluss.

 

2.) bietet dies die Chance der Identifizierung und öffentlichen Anklage der negativen Faktoren (wie etwa die verschiedensten Formen der Gewalt, s. S. xx) oder Akteure, die den Lebensraum oder aber die Möglichkeiten der Menschen negativ beeinträchtigen. Hier liegt der Fokus auf der Anwaltschaft, die wir bislang betreiben, aber zukünftig noch verstärken wollen.

 

Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird mittlerweile in der Sprache der Politik wie die der Wirtschaft wie selbstverständlich verwendet. In diesen Zusammenhängen wird der Begriff als positiv wirkendes Adjektiv beliebig eingesetzt und suggeriert automatisch etwas Gutes ohne dass es im konkreten Zusammenhang immer einen Sinn machen würde.

Nachhaltigkeit ist ein Konzept, das verstärkt seit Anfang der 1990er Jahre diskutiert wird. Politische Prominenz erhielt es damals mit dem UNO-Gipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio, bei dem der Begriff der sustainable development (nachhaltige Entwicklung) geprägt wurde, der vor allem auf den Bereich der Ökologie fokussierte. Nach einer Welle der Zustimmung, flaute die ökologische Dimension auf politischer Ebene etwas ab und bekam erst wieder mit den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs), dem näher rückenden Ablauf des Kyoto-Protokolls und der Debatte über die Auswirkungen des Klimawandels eine neue herausragende Stellung in der öffentlichen Wahrnehmung.

 

Der Begriff der Nachhaltigkeit

Der Ursprung des Begriffes „Nachhaltigkeit“ liegt im 18. Jahrhundert, als in der Forstwirtschaft der wachsende industrielle Holzbedarf und landwirtschaftliche Aktivitäten zu einer Übernutzung der Wälder geführt hatten. Daher wurde die Regel aufgestellt, pro Jahr nicht mehr Holz zu schlagen als nachwachsen kann: „Es bedeutet, von den Erträgen einer Substanz und nicht von der Substanz selbst zu leben, also von den Zinsen, nicht vom Kapital“ (Grunwald/Kopfmüller: Nachhaltigkeit. Frankfurt/M. 2006. S. 14.) 

 

1983 nahm die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) unter Vorsitz der damaligen norwegischen Ministerpräsidentin ihre Arbeit auf. Ihr Ziel war es, Handlungsempfehlungen zur Erreichung einer dauerhaften nachhaltigen Entwicklung zu formulieren. Berühmt wurde die Kommission durch ihre Definition von Nachhaltiger Entwicklung: "Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält.“

 

Nachhaltige Entwicklung ermöglicht Zukunft

Taifune führen auf den Philippinen immer wieder zu schweren Überschwemmungen. Aufforstungen und Schulungen zur ökologischen Landwirtschaft sollen in Zukunft verhindern, dass solche Katastrophen den Menschen ihre Lebensgrundlage entziehen können. In Indien bringen sauberes Wasser, Hygiene- und Gesunheitsschulungen nachhaltig bessere Lebensqualität in abgelegene Provinzen. Und in Nicaragua wird mit Hilfe von Schulungen und Trainings zur Konfliktlösung langfristig eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit entwickelt. 

Katholische Frauenbewegung Österreichs Katholische Frauenbewegung Österreichs, Referat für Entwicklungspolitik - Aktion Familienfasttag
1010 Wien, Spiegelgasse 3/2/7, Tel: +43(0)1 / 51 552-3697, Fax: +43(0)1 / 51 552-3764, E-Mail: teilen@kfb.at
http://www.teilen.at/